Wien nimmt Essen ernst. Nicht auf teure Art — sondern auf traditionelle Art. Wer in Wien isst, hat Stammcafés, Lieblings-Würstelstände und den Heurigen seiner Wahl. Als Besucher kommt man mit ein bisschen Recherche in den Genuss dieser Kultur ohne Touristenpreise.

Das Wiener Kaffeehaus: Pflichtprogramm

Ein echter Melange (Milchkaffee) mit einem Kipferl im Kaffeehaus: 5–7 Euro, und dafür darf man stundenlang sitzen. Empfehlenswert: Café Central (historisch schön, etwas teurer), Café Hawelka (Kult, das Original), Café Landtmann (Ringstraße, wo die Politiker frühstücken). Nicht empfehlenswert: Chains und Cafés direkt an der Oper.

Naschmarkt: Der beste Markt Österreichs

Der Naschmarkt öffnet täglich außer Sonntag ab 6 Uhr, samstags auch mit Flohmarkt. Über 100 Stände mit Käse, Wurst, Oliven, frischem Brot und internationalen Spezialitäten. Ein vollständiges Mittagessen vom Markt: 8–12 Euro. Tipp: Samstag ab 11 Uhr kommen, wenn der Flohmarkt läuft und Händler Preise reduzieren.

Schnitzel: Wo es das echte gibt

Wiener Schnitzel muss vom Kalb sein — alles andere ist Schweineschnitzel (auch lecker, aber bitte korrekt bezeichnen). Preise: 18–28 Euro für ein echtes Kalbsschnitzel vom Teller hängend. Gut und fair: Figlmüller Bäckerstraße (Wartezeit morgens minimal), Restaurant Zum Wohl (lokales Geheimtipp), Gasthaus Pöschl.

Würstelstand: Wiener Straßenkultur

Um 23 Uhr nach dem Konzert: ein Käsekrainer (Bratwurst mit Käse) mit Senf und Semmel für 3,50–4 Euro. Das ist Wien. Die besten Würstelstände haben Regulars die direkt mit dem Standler reden, keine Speisekarten auf Englisch, und sind immer am Straßeneck.

Heuriger: Abendessen vor den Toren der Stadt

Heurige sind Weinbauern-Gaststätten in den Weinbergen rund um Wien — Grinzing, Neustift am Walde, Stammersdorf. Hier servieren sie ihren eigenen Wein (Achtel ab 2,80 Euro), kalte Buffets (Liptauer, Lachsschinken, Brot, Käse) und manchmal live Musik. Öffentlich erreichbar mit S-Bahn oder Tram, Buffet für 10–15 Euro, Wein dazu: ein kompletter Abend für 20 Euro.

Süßes: Sachertorte vs. Apfelstrudel

Die Original Sachertorte im Hotel Sacher: 6,90 Euro das Stück — gut, aber hauptsächlich für das Erlebnis. Deutlich günstiger und genauso gut: Konditorei Oberlaa (mehrere Filialen), Aida-Cafékette (seit 1913, 3,50–4 Euro pro Stück). Apfelstrudel mit Vanillesauce ist ehrlich gesagt das bessere Süßgebäck.

Wien ist die einzige Stadt, in der man den ganzen Tag essen kann und trotzdem das Gefühl hat, noch nicht genug probiert zu haben.

SleepCity Redaktion